Auch 2026 reiste eine Ehrenamtlichengruppe nach Berlin und diskutierte in Arbeitsgruppen über die Herausforderungen des bürgerschaftlichen Engagements. „Das Ehrenamt ergänzt staatliche Aufgaben“, sagte Brigitte Druskus von der Freiwilligenbörse Ratingen. Nicht jedes Dorf und jeder Ortsteil könne eine eigene Berufsfeuerwehr haben. Druskus berichtete aus einer der Arbeitsgruppen, die in verschiedenen Räumen des Bundestages stattfanden.

Diskussion in einem Ausschusssaal des Bundestages: Brigitte Druskus berichtet aus einer Arbeitsgruppe.
Besonders wichtig sei es, das Ehrenamt verstärkt „unter die Leute zu bringen”, sagte der Velberter Bürgersolarberater Uwe von Balen. Ähnlich wie beim Girls’ Day könnte es einen Freiwilligentag für Schülerinnen und Schüler geben, berichtete er von den Vorschlägen, die in seiner Arbeitsgruppe entwickelt wurden. „Die Auslagen der Ehrenamtlichen und die Fahrtkosten müssen übernommen werden“, so von Balen. Die Idee eines „Deutschlandtickets für alle Ehrenamtlichen“ wurde von Kerstin Griese besonders begrüßt. „Das wäre ein guter Schritt, um das freiwillige Engagement noch attraktiver zu machen“, sagte die Sozialstaatssekretärin.
Heike Zopf, die sich beim Aldiekunsthaus Langenberg engagiert, berichtete von der Debatte über ein soziales Pflichtjahr. „Freiwillig heißt, etwas mit Herzblut zu tun.“ Verpflichtung könne hingegen bedeuten, dass es mehr schadet als nützt, gab Zopf zu bedenken. „Das Ehrenamt muss mehr publik werden.“ Die Zielgruppe seien sowohl Ältere als auch Jugendliche. Anstatt eines nur zweiwöchigen Ehrenamtspraktikums, wie es in manchen Schulen angeboten wird, sollte man dies besser zwei Jahre lang je einmal pro Woche durchführen, so der Vorschlag der Arbeitsgruppe.

Kerstin Griese und ihre Besucherinnen und Besucher: Nach einer Diskussionsrunde im Ministerium für Arbeit- und Soziales.
Kerstin Griese machte deutlich, dass auch sie einem sozialen Pflichtjahr skeptisch gegenübersteht. „Besser ist es, die Pflicht zu tauschen: Der Staat sollte die Pflicht haben, jedem eine ehrenamtliche Tätigkeit anzubieten“, wies sie auf die mangelnden Plätze im Bundesfreiwilligendienst und im freiwilligen sozialen Jahr (FSJ) hin. Deshalb habe der Bund die Mittel für das FSJ für dieses Jahr erhöht.
Neben der Tagung im Bundestag besuchte die Gruppe die Berliner Stadtmission und wurde über das Gelände geführt. Zu sehen waren nicht nur die durch die Medien gegangenen Kältebusse, auf die Anfang Januar Brandanschläge verübt wurden. Sondern auch die Ersatzbusse, die von Unternehmen spontan bereitgestellt wurden. Außerdem habe die Stadtmission viele tausend Einzelspenden erhalten, berichtete Matthias Herrmann von der großen Solidarität in der Bevölkerung. Auch ein Blick in die Notübernachtung gehörte zur Führung: Dort betreuen pro Nacht 15 Ehrenamtliche – je nach Außentemperatur – teils weit über hundert obdachlose Menschen.

In der Notübernachtung am Hauptbahnhof: Matthias Herrmann (Berliner Stadtmission) spricht über die Herausforderungen der Obdachlosenarbeit in Berlin.
48 freiwillig engagierte Bürgerinnen und Bürger aus 38 unterschiedlichen Organisationen – von den örtlichen Tafeln bis hin zum Niederbergischen Museum Wülfrath – waren im Rahmen des „Forums Ehrenamt“ nach Berlin gekommen. „Ich war überwältigt von der Vielfalt des bürgerschaftlichen Engagements in unseren Städten“, bedankte sich Kerstin Griese bei ihren Gästen für deren „unverzichtbaren Einsatz“. Griese lädt bereits seit 2008 regelmäßig zum „Forum Ehrenamt“ nach Berlin ein. Die nächste Reise wird 2027 stattfinden.

